13. Monatslohn erklärt: Wer ihn bekommt und wie er berechnet wird
Im November verwandelt sich die Schweizer Lohnabrechnung vielerorts in ein kleines Weihnachtsgeschenk: Der 13. Monatslohn wird fällig. Für viele Angestellte ist er so selbstverständlich wie die Kaffeepause, dabei sucht man ihn im Gesetz vergeblich. Das Obligationenrecht kennt keinen Anspruch auf einen 13. Monatslohn.
Woher der Anspruch wirklich kommt
Verbindlich wird der 13. Monatslohn erst durch den Arbeitsvertrag, ein Personalreglement oder einen Gesamtarbeitsvertrag. In vielen Branchen, vom Detailhandel bis zum Baugewerbe, schreiben GAV ihn ausdrücklich vor, und auch der Kaufmännische Verband führt ihn in seinen Empfehlungen als Standard, wie die Übersichten auf kfmv.ch zeigen. Steht er einmal im Vertrag, ist er fester Lohnbestandteil, der Arbeitgeber kann ihn nicht einseitig streichen oder von der Geschäftslage abhängig machen.
13. Monatslohn oder Gratifikation? Der entscheidende Unterschied
Oft werden zwei Dinge verwechselt, die rechtlich Welten trennen. Der 13. Monatslohn ist geschuldeter Lohn. Die Gratifikation dagegen ist eine Sondervergütung, über deren Höhe und Ausrichtung der Arbeitgeber grundsätzlich frei entscheidet. Heikel wird es bei der Wiederholung: Wird eine Gratifikation über Jahre vorbehaltlos ausbezahlt, kann daraus ein stillschweigender Anspruch entstehen. Viele Arbeitgeber versehen ihre Boni deshalb mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die Freiwilligkeit.
So wird gerechnet
Die Berechnung selbst ist unspektakulär: Der 13. Monatslohn entspricht einem zusätzlichen Monatslohn, ausbezahlt meist Ende November oder mit dem Dezemberlohn, teilweise auch gesplittet im Sommer und Winter. Wer während des Jahres ein- oder austritt, erhält den Betrag pro rata, also anteilig nach gearbeiteten Monaten. Ein Beispiel: Wer per Ende September kündigt und 6’500 Franken verdient, hat Anspruch auf neun Zwölftel, also 4’875 Franken. Zu beachten ist auch die Sozialversicherungsseite, denn der 13. Monatslohn ist ganz normaler AHV-pflichtiger Lohn.
Was der Zusatzlohn fürs Jahresbudget bedeutet
Rechnet man den 13. Monatslohn auf das Jahr um, erhöht er das Einkommen um gut acht Prozent. Beim Vergleich zweier Jobangebote lohnt sich deshalb der Blick aufs Jahresgehalt statt auf den Monatslohn, ein Angebot mit tieferem Monatslohn plus 13. kann das bessere sein. Wie sich das Schweizer Lohnniveau insgesamt verteilt und was in Ihrer Branche üblich ist, zeigt unsere Übersicht zum Durchschnittslohn in der Schweiz.
Fazit: Kein Geschenk, sondern Lohn
Der 13. Monatslohn ist kein Bonus und keine Grosszügigkeit des Arbeitgebers, sondern vertraglich geschuldeter Lohn in dreizehn Raten. Wer einen Vertrag unterschreibt, sollte deshalb genau hinschauen, ob er drinsteht, wie er ausbezahlt wird und was bei einem Austritt gilt. Und wer ihn nicht bekommt, hat beim nächsten Lohngespräch ein sachliches Argument mehr.
